Der Ratonero Bodeguero Andaluz

DSC_2269Der Ratonero Bodeguero Andaluz (RBA)

 Der Ratonero Bodeguero Andaluz (RBA) ist eine spanische Hunderasse, die ursprünglich aus der Region um Cadiz in Andalusien stammt. Der RBA ist ein hochläufiger Terrier, der in seiner Heimat überwiegend als Nutz- und Arbeitstier gehalten wird. Schon aus dem Namen lässt sich seine Verwendung ableiten. Ratonero bedeutet „Rattenfänger“, wobei es ihm egal ist, wenn sich andere Nager in die Beute einschleichen, Bodeguero weist auf den Arbeitsplatz des Hundes hin, der Bodega, dem spanischen Weinkeller.

Die Geschichte des Bodeguero

 Die Entstehungsgeschichte des Bodeguero wird bis auf Detailunterschiede in der Literatur im wesentlichen ähnlich beschrieben. Im 17. Jahrhundert entdeckten die Engländer ihre Liebe zum spanischen Cherry. Um ihre Weinkeller und Lagerhallen in der Gegend um Jerez von Ratten, Mäusen und anderem Ungeziefer frei zu halten, brachten sie den Smooth Fox Terrier nach Andalusien. Diese Hunde kreuzten sich mit den heimischen Rateros. Im 18. Jahrhundert wurde schließlich noch der Toy Fox Terrier, der in England schon damals gezielt zur Rattenjagd trainiert wurde, eingekreuzt. Die daraus entstandenen, überwiegend weißen Terrier eigneten sich, da sie im Dunkeln gut auszumachen waren, besonders zur Ungezieferbekämpfung in Lagerhallen und Kellern.

Wesen

DSC_0138 Das Wesen des Bodeguero ist  am besten mit „will to please“ beschrieben. Er möchte stets seinem Herren gefallen, ist dabei aber weit davon entfernt, ein ruhiger oder langweiliger Hund zu sein. Er ist in vielerlei Hinsicht ein typischer Terrier: intelligent, gelehrig und arbeitsfreudig, zeigt dabei auch gelegentlich seinen Dickkopf. Er ist ein aufmerksamer Hund, seinem kleinen, schlauen Köpfchen entgeht nichts. Mit anderen Hunden versteht sich der Bodeguero meist gut. Da er in Spanien in Rudeln gehalten wird, ist er ein sehr soziales Tier. Aber auch im Umgang mit Menschen verhält er sich so. Er sucht den Kontakt und ist sehr verschmust. Sein größtes Glück ist es aber, „seine“ Menschen überall hin begleiten zu können. Wobei man als Mensch beim Umgang mit ihm den Eindruck bekommt, dass er vom Rudelverhalten der Zweibeiner nicht sehr viel hält.

 Draußen ist der Bodeguero temperamentvoll und will viel bewegt werden, im Haus ist er ein ruhiger und sanfter Geselle, besonders wenn er ausreichend ausgelastet ist. Er ist dann auch kein Frühaufsteher, schläft gerne lang. Aber Vorsicht: ausreichende Bewegung heißt nicht nur zweimal am Tag zwanzig Minuten Gassi gehen – da ist der Hund gerade erst einmal warm!

 Ein Kläffer ist er im Gegensatz zu vielen Vertretern seiner Terrierverwandtschaft nicht. Wikipedia beschreibt ihn hier sehr treffend als einen Hund, der selten bellt, lieber gerne jammert.

 Intelligenz gepaart mit Spiel- und Bewegungsfreude machen den Bodeguero zum idealen Partner für Hundesport, Agility und Dog Dance. Häufig reicht es dem Bodi aber auch schon, wenn er ausgiebig mit anderen Hunden herumtoben kann. Der Jagdtrieb ist von Tier zu Tier unterschiedlich ausgeprägt. Der Bodeguero ist raubzeugscharf, er stellt also Ratten, Mäusen, Krähen und Elstern nach, aber auch Mardern, Füchsen und Nachbars Katze macht er gerne das Leben schwer.

DSC_0143Aussehen

 Der RBA ist ein hochbeiniger Terrier von athletischer Statur. Sein Körper ist schlank und elegant, dabei muskulös mit prominenten Brustkorb. Der Kopf ist zierlich und schmal mit dunklen Augen, die Ohren nach vorne geklappt, aber stets aufmerksam in Bewegung wie die Antennen einer Abhörstation.

 Rüden haben laut spanischem Rassestandard eine Widerristhöhe von 37-43 cm, Hündinnen von 35-41 cm, das Gewicht liegt zwischen 7 und 9 Kilogramm. Es gibt aber auch Exemplare die deutlich größer sind, eine Schulterhöhe bis 45 cm haben und 15 kg schwer sind.

 Der Schwanz ist bei wenigen Bodegueros normal lang, meist ist er auf ein Viertel oder weniger verkürzt. In Spanien wird gerne behauptet, dass die kurze Rute den Hunden so angezüchtet sei. Dies ist wohl nur zum Teil richtig, denn es finden sich auch Quellen, die berichten wollen, dass es so etwas gar nicht gäbe. Die Realität ist wohl, dass ein großer Teil der Hunde mit verkürztem Schwanz kupiert ist. Unabhängig von der Frage, ob ein Hund mit langer oder kurzer Rute schöner ist, ist das Kupieren abzulehnen. Besonders, da es in Spanien häufig nicht von einem Tierarzt, sondern von Laien mit nicht geeignetem Instrumentarium unter schlechten hygienischen Bedingungen nur stümperhaft durchgeführt wird. Glücklicherweise ist das Kupieren in Deutschland seit 1998 verboten, die Einfuhr eines kupierten Hundes ist dagegen erlaubt. Ganz anders ist das in der Schweiz, in die kupierte Hunde nicht vermittelt werden dürfen.

 Das Fell des Bodegueros ist dicht, aber dünn. Er hat keine Unterwolle, so dass man teilweise bis auf die Haut sehen kann. Der Bauch ist häufig nicht nur beim Welpen, sondern auch beim erwachsenen Hund nackt. Das Fell ist am Körper weiß, teilweise hat es aber auch mehr oder weniger schwarze Flecken bis hin zu großflächigeren, schwarzen Körperpartien. Daneben findet man bei einigen Hunden viele kleinere schwarze Flecken in Fell und auf der Haut, sogenannte Tickings. Der Kopf des Bodeguero ist nach Rassestandard dreifarbig weiß/schwarz/lohfarben. Es gibt aber auch verbreitet Fehlfarben, so etwa Hunde mit zuviel Weiß oder Schwarz im Fell sowie nur zweifarbige braun-weiße und schwarz-weiße Tiere. Bezüglich der Fellfärbung kann man den Rassestandard des Bodeguero vereinfacht so beschreiben: es gibt viele Ratoneros, aber ein Bodeguero Andaluz ist, wer einen ganz oder teilweise weißen Körper und eine Tan-farbene Gesichtsmaske hat, also Tricolor ist.

DSC_0043cutDie heutige Situation des RBA

 Der Ratonero Bodeguero Andaluz ist in Spanien auch heute noch überwiegend ein Arbeits- und Gebrauchshund. Seine Aufgabe ist die Ungezieferbekämpfung, im speziellen die Ratten- und Mäusepopulation zu verkleinern. Wegen seines überwiegend hellen Körpers ist er dafür bestens geeignet, da man ihn in dunklen Kellern und Lagern gut erkennen kann. Gelegentlich dient er aber auch als Jagdhund. All diese Hunde werden meist nicht gut behandelt und müssen ihre Existenz durch Leistung rechtfertigen.

 Bedingt durch sein  sanftes Wesen ist der Bodeguero ein Tier, das Zuneigung braucht, diese aber in seinem Herkunftsland selten bekommt. Viele Hunde hungern, die medizinische Versorgung ist schlecht. Wenn die Hunde ihren Nutzen verloren haben, werden sie verjagt und müssen als Straßenhunde leben. So pflanzen sich die Tiere unkontrolliert fort, da sie nicht kastriert werden. Überzählige Welpen aus Würfen werden genau wie Hunde, die ihre Aufgaben nicht mehr zur Zufriedenheit ihrer Besitzer erledigen, meist in Perreras, den örtlichen Tötungsstationen, abgegeben. Ist ein Hund einmal hier gelandet, sind seine Chancen schlecht, da nur ein sehr geringer Teil von Ihnen zur Adoption ins Ausland oder gar in spanische Familien vermittelt werden kann.

 Zwar haben auch schon einige Spanier entdeckt, dass der Bodeguero aufgrund seines Wesens ein hervorragender Familienhund ist, nur hat das bisher nicht zur Verbesserung seiner Situation geführt.

 Dabei hat der Ratonero Bodeguero Andaluz auf nationaler Ebene Anerkennung erfahren. Im Jahr 2000 wurde der RBA vom Landwirtschaftsministerium und der “Real Sociedad Canina de España” (Königliche Vereinigung Spanischer Rassehunde) als eigenständige Rasse anerkannt. Er wurde der Gruppe III, Bereich 1ª: Mittlere und große Terrier zugeordnet. Die Anerkennung durch den Weltdachverband FCI (Federación Cinológica Internacional – Internationaler Dachverband der Hundezüchter) blieb dem Bodeguero bisher aber verwehrt. Hier stellt sich die Frage, ob das nicht sogar besser für die Hunde ist. Denndurch eine Anerkennung der FCI würden mehr Menschen auf ihn aufmerksam, und der kleine Kerl hat allemal das Zeug dazu, ein Modehund zu werden. Die Folgen davon kann man in unseren Städten sehen: Jack-Russel- und West-Highland-Terrier, die als fettgefütterte Hundewürste in Fußgängerzonen Gassi gehen müssen, sind wahrhaft nicht artgerecht gehalten. Bodegueros ohne Zuchteinflüsse krankhafter Rassestandards und Schönheitsideale, also eben so, wie sie sind, sind doch die schönsten Hunde!

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